Einleitung: Ich habe ein Hohlkreuz – ist das schlimm?
Diese Frage höre ich häufig – von Reitern, Trainern und Patienten. Die Unsicherheit ist groß: Muss ich etwas dagegen tun? Ist das der Grund für meine Schmerzen? Oder ist das einfach meine Körperform?
Die Antwort ist nicht schwarz-weiß – und genau das macht es spannend.
Denn ein Hohlkreuz (medizinisch: Hyperlordose) ist nicht automatisch schlecht. Oft ist es sogar eine clevere Reaktion deines Körpers auf andere Einschränkungen.
In diesem Beitrag erfährst du:
- Warum ein Hohlkreuz nicht automatisch therapiert werden muss
- Welche Ursachen dahinterstecken können – von Hüfte bis Stress
- Wie du herausfindest, ob dein Hohlkreuz überhaupt ein Problem ist
- Und was du tun kannst, um deinem Körper langfristig zu helfen
Was ist überhaupt ein Hohlkreuz?
Unsere Wirbelsäule hat natürliche Krümmungen. Die Lendenlordose – die nach vorn gewölbte Form der Lendenwirbelsäule – ist völlig normal und notwendig für Beweglichkeit und Dämpfung.
Erst wenn diese Krümmung über das funktionelle Maß hinausgeht, spricht man von einer Hyperlordose, also dem umgangssprachlichen „Hohlkreuz“.
Doch:
Nicht jede übermäßige Lordose ist eine Fehlhaltung. Manchmal ist sie:
- eine Kompensation, z. B. bei Hüftproblemen,
- eine Haltung aus Gewohnheit oder Stress, oder
- einfach Teil deines individuellen Körperbaus.
Hohlkreuz = Symptom, nicht Ursache
Dein Körper ist intelligent. Er wählt Haltungen, um Stabilität, Beweglichkeit oder Schutz herzustellen.
Ein Hohlkreuz ist daher oft eine Reaktion:
- auf verkürzte Hüftbeuger (z. B. durch viel Sitzen),
- auf eine schwache Bauchmuskulatur oder den Beckenboden,
- auf instabile Hüftgelenke (z. B. bei Hüftdysplasie oder Arthrose),
- oder auf ein inneres Bedürfnis, sich „groß oder besonders sexy zu machen“ (psychosozial).
Deshalb ist die Frage nicht: „Wie bekomme ich mein Hohlkreuz weg?“
Sondern: „Warum macht mein Körper das – und wie kann ich ihn dabei unterstützen?“
Wann ein Hohlkreuz relevant wird
Ein Hohlkreuz ist dann relevant für Therapie oder Training, wenn es zu:
- Schmerzen im unteren Rücken
- Verspannungen im Becken und LWS-Bereich
- Ausstrahlungen in Beine oder Beckenbodenproblemen
- Auffälligem Reitersitz (z. B. extremen Hohlkreuz oder einem nach vorne gekippten Becken)
führt.
Ohne Beschwerden muss es nicht verändert werden – sondern nur beobachtet und verstanden werden.
Hohlkreuz beim Reiten – worauf du achten solltest
Im Reitsport zeigt sich ein Hohlkreuz oft durch:
- ein nach vorne gekipptes Becken
- Spannungen im unteren Rücken
- fehlende positiver Spannung im Oberkörper
- Beschwerden und Spannungen im Bauch (Blähbauch, Nahrungsmittelunverträglichkeiten)
- oder muskulären und faszialen Dysbalancen
Aber auch hier gilt:
Nicht die Optik zählt, sondern die Funktion.
Ein stabiles, kontrolliertes Becken kann trotz sichtbarer Lordose super funktionieren – solange es nicht in einer Extremposition festhängt.
Was du stattdessen trainieren solltest
Anstatt dein Hohlkreuz zu bekämpfen, kannst du gezielt daran arbeiten, deinem Körper bessere Alternativen anzubieten:
- Tiefe Bauchmuskulatur aktivieren (M. transversus abdominis)
- Hüftbeuger dehnen und Becken und unteren Rücken mobilisieren
- Beckenboden und Zwerchfell trainieren
- Beinbeuger (Oberschenkelrückseite) kräftigen
- Rumpfstabilität aufbauen
- Körperwahrnehmung und Haltung schulen
Der Fokus liegt auf Beweglichkeit und Steuerung, nicht auf Gerade sitzen.
Die psychologische Komponente: Haltung ist auch Sprache
Ein Hohlkreuz kann auch Ausdruck innerer Muster sein:
- „Brust raus, Bauch rein“ = Schutz oder Stolz?
- Anspannung = Kontrolle oder Unsicherheit?
- Haltung = Kommunikation
Daher kann Physiotherapie in Kombination mit Sitz-Coaching besonders nachhaltig wirken.
Fazit: Liebe deine Lordose – und begleite sie gut
Ein Hohlkreuz ist nicht dein Feind. Es ist ein Hinweis, ein Schutzmechanismus, ein Ausdruck deiner individuellen Geschichte. Statt zu korrigieren, was du nicht verstehst – beginne zu beobachten.
Dann kannst du gezielt unterstützen, trainieren und neue Optionen schaffen – für deinen Alltag, deine Gesundheit und deinen Sitz im Sattel.
Bonus: Quick-Check – Ist dein Hohlkreuz ein Problem?
- Hast du regelmäßig Rückenschmerzen oder ISG-Beschwerden?
- Fällt es dir schwer, dein Becken gezielt auf- oder abzukippen?
- Fühlst du dich im Reitsitz instabil oder aus der Mitte?
- Hast du Einschränkungen in der Hüftbeweglichkeit?
Wenn ja: Dann lohnt sich eine gezielte Analyse.
Wenn nein: Dann feiere deinen Körper für seine Anpassungsfähigkeit – und stärke ihn präventiv.
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