5 Voraussetzungen für einen guten Sitz

Ein guter Sitz ist das Fundament für harmonisches Reiten – ohne ihn wird’s schwierig. Doch oft wird sein Einfluss unterschätzt, und der Fokus in Reitstunden liegt fast ausschließlich auf dem Pferd. Das ist nicht grundsätzlich falsch, aber manchmal liegt die Ursache das ein oder andere Mal im Reitersitz selbst. In diesem Blog werfen wir einen genaueren Blick darauf: Was macht einen guten Sitz aus, und welche Voraussetzungen braucht es dafür?

1. Hintergrundwissen

Warum Wissen über Anatomie und Bewegung den Unterschied macht

Viele Reiter kennen das Bild des soliden Grundsitzes. Sie haben ein perfektes Idealbild im Kopf, was sie erreichen wollen. Das ist grundsätzlich gut – sorgt aber manchmal für Verbissenheit und unnötige Verkrampfung. 

Deshalb lohnt es sich, ein bisschen tiefer in die Anatomie und Bewegungslehre von Pferd und Reiter einzutauchen. Denn Wissen allein reicht nicht – es will auch angewendet werden! Wenn du verstehst, wie dein Körper mit dem deines Pferdes zusammenspielt, kannst du viel schneller erkennen, warum etwas nicht rund läuft. Und das Beste daran? Es wird nicht nur leichter, Sitzfehler zu korrigieren, sondern macht auch richtig Spaß, wenn plötzlich alles harmonischer wird!

Wenn du die Zusammenhänge zwischen Anatomie und Bewegungslehre von Pferd und Reiter verstehst, wird vieles im Sattel plötzlich klarer – und das Beste daran? Es macht sogar Spaß! Denn Wissen ist nur dann wertvoll, wenn du es auch anwendest. Je besser du verstehst, wie dein Körper mit dem deines Pferdes zusammenarbeitet, desto schneller kannst du Ursachen für Sitzprobleme erkennen und gezielt verbessern.

Aber wo fängt man an? Hier sind einige Wege, um sich Hintergrundwissen anzueignen:

Es gibt viele Möglichkeiten, sich fundiertes Wissen anzueignen und den eigenen Sitz gezielt zu verbessern:

1. Gezielte Weiterbildung und Kurse:

• Mein Einstiegsworkshop „Sitz & Synergie“ hilft dir, die Grundlagen des guten Reitersitzes besser zu verstehen und direkt anzuwenden.

2. Wissen aus verschiedenen Quellen nutzen:

• Fachbücher über Pferdeanatomie und Bewegungslehre helfen dabei, die biomechanischen Abläufe des Pferdes besser zu verstehen.

• Mein Podcast bietet praxisnahe Einblicke in Sitzschulung, Biomechanik und Trainingstipps – ideal zum Hören unterwegs oder während der Stallarbeit.

3. Individuelle Unterstützung einholen:

• Ein erfahrener Trainer, der nicht nur das Pferd, sondern auch den Sitz des Reiters analysiert, kann wertvolle Impulse geben.

• Ein Personal Trainer oder Physiotherapeut mit Reiterfokus kann helfen, muskuläre Dysbalancen zu erkennen und gezielt auszugleichen.

• Ergänzende Disziplinen wie Yoga, Neuroathletik oder Achtsamkeitstraining fördern die Körperwahrnehmung und tragen zur Verbesserung des Sitzes bei.

4. Training gezielt strukturieren:

• Für Reiter lohnt es sich, das eigene Bewegungstraining in den Alltag zu integrieren – sei es durch gezielte Übungen, ein Fitnessprogramm oder regelmäßige Sitzschulungen.

Hintergrundwissen über den eigenen Körper und die Bewegungsmechanik des Pferdes ist also ein entscheidender Faktor für harmonisches Reiten. Wer versteht, wie der Sitz die Pferdebewegung beeinflusst, kann gezielter an Verbesserungen arbeiten und schneller Fortschritte machen.

2. Mentale Vorbereitung richtig nutzen

Wie du deinen Kopf für einen besseren Sitz nutzen kannst

Ein guter Sitz entsteht nicht nur durch Hintergrundwissen – auch mentale Faktoren spielen eine entscheidende Rolle. Viele Reiter unterschätzen, wie sehr ihre innere Haltung, ihre Selbstwahrnehmung und das Umfeld, in dem sie trainieren, ihren Sitz beeinflussen können.

Was sind mentale Voraussetzungen?

Mentale Voraussetzungen beschreiben die inneren Einstellungen, Überzeugungen und Denkweisen, die einen Reiter entweder voranbringen oder ihn in seiner Entwicklung blockieren. Dazu gehören unter anderem:

  • Konzentrationsfähigkeit: Kannst du dich bewusst auf deinen Körper und dein Pferd einlassen?
  • Körperbewusstsein: Spürst du kleinste Veränderungen in deiner Balance oder Spannung?
  • Selbstreflexion: Erkennst du deine eigenen Muster und weißt, woran du arbeiten musst?
  • Umgang mit Fehlern: Bleibst du geduldig und offen für Korrekturen oder setzt dich Perfektionismus unter Druck?

 

All diese Faktoren beeinflussen, wie du dein Pferd wahrnimmst, wie du deine Hilfen gibst und wie du auf Herausforderungen im Sattel reagierst.

Gerade in der Sitzschulung ist es wichtig, nicht nur „richtig“ sitzen zu wollen, sondern bewusst zu spüren, wie sich eine Veränderung im eigenen Körper auf das Pferd auswirkt. Eine gute mentale Vorbereitung hilft dabei, diese feinen Unterschiede wahrzunehmen und langfristig zu verankern.

 

Praxistipp:

Zu Beginn der Reitstunde oder einem Turnierstart kannst Du Dir immer diese Fragen stellen:

  1. Bin ich fokussiert? 
  2. Kann ich meinen Alltag ausblenden?
  3. Kann ich mit positiver Energie reiten?
  4. Welche Ziele habe ich (heute) mit meinem Pferd?

 

Fällt es dir schwer dich zu fokussieren und den Alltag auszublenden, versuche es doch einmal mit inneren Bildern.

Ein Bild, welches ich gerne verwende, ist von einem stolzen König, der nach gewonnener Schlacht zurück durch sein Stadttor reitet. Er ist stolz und präsent. Alle Blicke ruhen auf ihm. Erleichtert über den Sieg, mit positiver Ausstrahlung, schweift sein Blick voller Dankbarkeit über seine Untertanen. 

Warum nicht mal mit diesem Bild in eine Dressurprüfung einreiten?

Auch Glaubenssätze wie: „Da hinten scheut er immer“, kannst Du positiv in: „Ich habe ein aufmerksames Pferd“, umformulieren. Negative Gedanken übertragen sich auf deinen Sitz und damit auch auf deinen Sitz. In der Psychologie spricht man auch von der “sich selbst erfüllenden Prophezeiung”. Deine Gedanken nehmen Einfluss auf deinen Körper. Probier einfach mal aus, positiver an schwierige Situationen heranzugehen.

3. Körperliche Voraussetzungen:

Was dein Körper können muss, damit dein Sitz funktioniert

Eine der wichtigsten Fähigkeiten für uns Reiter ist ein gutes Körpergefühl. Als Reiter müssen wir gut in uns selbst und in das Pferd hineinfühlen können. Außerdem brauchen wir das Bewusstsein, dass wir mit unserem Körper das Pferd beeinflussen – sei es unterstützend oder störend. Sich beidem bewusst zu sein fasse ich als Körperbewusstsein des Reiters zusammen. 

Zudem benötigen wir Reiter ein gutes Timing, sprich eine schnelle Reaktionsfähigkeit, um auf das Pferd bestmöglich einzuwirken – ohne in seine Bewegung unharmonisch einzugreifen. Ein häufiges Beispiel ist das Treiben zum falschen Zeitpunkt, was den Takt des Pferdes stören kann.

3 Schlüsselstellen für einen funktionalen Sitz

Um wirklich unabhängig im Sattel zu sitzen, müssen wir drei zentrale Körperregionen bewusst steuern können – und zwar unabhängig voneinander -aber dennoch dynamisch miteinander:

Der Kopf – Die Steuerzentrale für Blickführung, Gleichgewicht und Körperspannung.

Ein stabiler, aber entspannter Kopf hilft, den gesamten Körper in Balance zu halten, während ein angespannter oder nach vorne geschobener Kopf die gesamte Statik negativ beeinflussen kann.

Rumpf- und Core-Muskulatur – Die Basis für Stabilität.

Der Rumpf muss genug Spannung haben, um die Hebelwirkung des Oberkörpers auf das Pferd zu reduzieren, aber gleichzeitig beweglich bleiben, damit die Schwingung nicht blockiert wird. Hier spielt die tiefenstabilisierende Muskulatur (v. a. Bauch- und Rückenmuskulatur) eine entscheidende Rolle.

Lenden-Becken-Hüft-Region – Das Zentrum der Kommunikation mit dem Pferd.

Das Becken muss beweglich genug sein, um die Pferdebewegung durchzulassen, aber auch gezielt ansteuerbar, um feine Impulse zu geben. Oft liegt hier der Knackpunkt: Ein festes, blockiertes oder unkontrolliertes kippendes Becken verhindert eine harmonische Verbindung mit dem Pferd.

Eine gute Rumpfstabilität, um die Hebelwirkung des Oberkörpers auf das Pferd zu reduzieren, so wie ein bewegliches Becken, um die Bewegung des Pferdes durch- und zuzulassen, sind ebenfalls notwendig.

Teste dein Körperbewusstsein: Zwei Fragen zur Selbsteinschätzung
  • Bin ich eher mobil oder stabil? (Fehlt mir Beweglichkeit oder habe ich vielleicht zu wenig Kontrolle?)
  • Gibt es Körperregionen, wo immer die gleichen Fehler auftreten oder die schwer ansteuerbar sind?

 

Ein bewusster Blick auf diese Fragen hilft dir, gezielt an den Bereichen zu arbeiten, die dein Reiten verbessern können.

Ein wertvolles Hilfsmittel kann dabei eine Videoanalyse sein. Sich filmen zu lassen und das Video mit einem Trainer oder einer Trainerin gemeinsam auszuwerten, kann Aha-Momente schaffen, die dir im Spiegel oder im Reitgefühl gar nicht bewusst waren.

4. Die richtige Ausrüstung

Mehr als nur Komfort

Der Sattel – die wichtigste Ausrüstung für deinen Sitz

Der Sattel ist der größte Einflussfaktor auf den Sitz des Reiters – und damit auch auf die Harmonie zwischen Pferd und Reiter. Dabei reicht es nicht, dass der Sattel nur dem Pferd passt, er muss auch für den Reiter optimal zugeschnitten sein.

Es geht nicht nur um die Größe der Sitzfläche, sondern auch um die Passform für die Oberschenkel und die Beinlänge. Ein zu enger Sattel schränkt die Beweglichkeit ein, während ein zu großer Sattel die Balance und Kontrolle erschwert. Fühlst du dich unwohl, wirst du – oft unbewusst – Ausgleichsbewegungenmachen, um eine bequemere Position zu finden. Diese kleinen Anpassungen überträgt dein Körper direkt auf das Pferd, das wiederum versucht, sich selbst auszubalancieren. Das Ergebnis: Beide fühlen sich unwohl und können sich nicht optimal bewegen.

Warum ein gut passender Sattel unverzichtbar ist

Das Thema Sattelpassform ist sensibel – und genau deshalb solltest du Zeit und Geld in einen wirklich gut passenden Sattel investieren, der sowohl deinem Pferd als auch dir gerecht wird. Dabei ist es wichtig, nicht nur die statische Passform auf dem stehenden Pferd zu überprüfen, sondern auch die Bewegungskontrolle während des Reitens zu beobachten.

Denn je nach Sattelmodell, Marke, Pferderücken und Reitersitz kann sich die Passform während des Reitens verändern. Ein Sattel, der im Stand gut aussieht, kann in der Bewegung Druckstellen verursachen oder die Balance negativ beeinflussen.

Sattelpassform als aktiver Tierschutz

Ein passender Sattel ist weit mehr als eine Komfortfrage – er ist aktiver Tierschutz. Solltest du auch nur den leisesten Zweifel haben, dass dein Sattel nicht passt, geh dem nach! Hol dir einen kompetenten Sattler, Trainer oder Physiotherapeuten zur Unterstützung und lass überprüfen, ob der Sattel wirklich optimal für euch beide ist.

Denn ein gut sitzender Sattel schafft die Basis für einen losgelassenen, ausbalancierten Sitz – und damit für feine Hilfen, die dein Pferd versteht und gesund umsetzen kann.

 

5. Die optimale Umgebung

Ruhe, Fokus, Unterstützung: Warum dein Umfeld entscheidend ist

Die Umgebung, in der du reitest, solltest du sorgsam wählen, um dich und dein Pferd bestmöglich zu fördern. Deshalb solltest du eine ruhige, konzentrierte Lernatmosphäre schaffen und Störfaktoren gezielt minimieren.

Zu einer optimalen Lernumgebung gehört für mich ganz klar:

  • Reiten ohne Handy – Keine Ablenkung durch Nachrichten oder Social Media, sondern volle Aufmerksamkeit für dein Pferd und deinen Körper.
  • Keine quatschenden Zaungäste – Gespräche am Reitplatzrand können ablenken und verhindern, dass du wirklich in deine Bewegungsabläufe eintauchst.
  • Klare Kommunikation mit Stallkollegen – Sei höflich, aber bestimmt. Wenn du konzentriert arbeiten möchtest, darfst du das auch einfordern.

 

Warum eine störungsfreie Umgebung so wichtig ist

Nur wenn du und dein Pferd ungeteilte Aufmerksamkeit füreinander habt, kannst du wirklich an deinem Sitz arbeiten. Jede Ablenkung – sei es durch andere Reiter, Umgebungsgeräusche oder Multitasking im Kopf – führt dazu, dass dein Körper nicht mehr bewusst steuert, sondern auf alte Muster und Automatismen zurückfällt.

Das bedeutet nicht, dass man immer in absoluter Stille trainieren muss – aber dein Training sollte so strukturiert sein, dass du und dein Pferd sich aufeinander einlassen können, ohne ständig abgelenkt zu werden.

Praxistipp:

Dein Umfeld bewusst gestalten

  • Wie sieht deine optimale Trainingsumgebung aus? Hast du genug Platz, um ruhig und konzentriert zu arbeiten?
  • Wie gehst du mit äußeren Störungen um? Kannst du dich mental abgrenzen oder brauchst du einen ruhigeren Trainingsrahmen?
  • Unterstützt dein Umfeld deine Entwicklung? Ein gutes Trainingsumfeld besteht nicht nur aus einem guten Platz, sondern auch aus Menschen, die dich motivieren und weiterbringen.

 

Ein konzentriertes, störungsfreies Training ist der Schlüssel – und oft unterschätzt, um wirklich an deinem Sitz zu arbeiten und eine harmonische Verbindung mit deinem Pferd aufzubauen.

Fazit: Dein Sitz – die Grundlage für harmonisches Reiten

Du kannst nur so gut reiten, wie es dein Sitz zulässt. Er ist die Basis für eine feine Kommunikation mit deinem Pferd, für Balance, Leichtigkeit und Harmonie. Doch ein guter Sitz entsteht nicht von allein – er erfordert Bewusstsein, gezieltes Training und eine Umgebung, die Lernen ermöglicht.

Es reicht nicht, sich nur auf einen einzelnen Aspekt zu konzentrieren. Körperliche Voraussetzungen, mentale Klarheit, die richtige Ausrüstung und ein unterstützendes Umfeld greifen ineinander. Dein Sitz ist nicht statisch, sondern ein dynamisches Zusammenspiel aus Wahrnehmung, Anpassung  dem Moment, Optimierung und Reflexion.

Deshalb lohnt es sich, bewusst an ihm zu arbeiten – nicht mit Druck oder Perfektionismus, sondern mit Neugier und Freude an der Bewegung. Denn wenn du dich selbst besser verstehst, wird dein Pferd dir folgen können, und Reiten fühlt sich nicht mehr nach Technik, sondern nach echter Verbindung an.

Nimm dir die Zeit dafür – es wird sich auszahlen. Und vor allem: Genieße die Zeit mit deinem Pferd.

Was Du jetzt tun kannst:

  1. Abonniere den Newsletter und werde zum Reiter-bewegen-Insider.
  2. Finde Unterstützung in meinem Workshop „Sitz und Synergie“.
  3. Buch Dir einen Termin bei mir.
Über die Autorin
Autorin Vanessa-Christin Fautsch

Vanessa-Christin Fautsch

Als Physiotherapeutin, Podcasterin und Günderin von Reiter bewegen® betreut Vanessa-Christin Reiter und Pferde. 

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